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Voller Hoffnung

Freudentränen.

Tränen, 8/13

Wir Menschen drücken viele Emotionen durch Tränen aus. Nur, lesen und verstehen wir diese auch richtig? Eine Reportage über die Geheimnisse, die sich hinter unseren Tränen verstecken.

© Suug

Voller Hoffnung

Freudentränen

"Vielleicht etwas schräg, aber ich stehe zu meinem Eigensinn.
Ich möchte dieser Frage nachgehen.
Ich will den Code der Tränen knacken."
"Tränen" von Suug

Hörtipp zum Beginn des Kapitels: "Die Tränen der Vögel"

Wieder Frühling! Was für eine Wonne. Jeder Frühling hat doch seinen eigenen Charakter. In diesem Frühling scheinen die Vögel ihre Botschaften schon ganz früh am Morgen und besonders aktiv auszusenden. Vielleicht, weil der Winter sehr lange war und gerade eben erst der Schnee auf den Zweigen geschmolzen ist. Für diese „Botschaften“ der Vögel kenne ich zwei unterschiedliche Wörter: „singen“ und „weinen“.

Zuerst mag ich von dem Ort erzählen, an dem die Vögel „weinen“. Mir geht der Text eines koreanischen Kinderliedes durch den Kopf:

„Die Ralle weint im Reisfeld ... mein Bruder ist nach Seoul geritten, um uns dort Seidenschuhe zu kaufen und danach wieder nach Hause zurück zu kehren …“

Immer wenn ich dieses Lied höre, laufen mir Tränen über meine Wangen.
Ich selbst bin diesem Vogel noch nie begegnet und habe auch nie seine „Tränen“ gesehen.
Ein Vogel „weint“, heißt es dort, was gleichzeitig eine romantische und sentimentale Reaktion auslöst.
Ich vermute, wenn Menschen keine Tränen hätten und nicht weinen könnte, dann würde man dort wohl auch nicht vom „Weinen“ der Vögel sprechen. Womöglich bedeutet dies nur, dass Vögel und Menschen eine gemeinsame Emotion teilen. Als sei es so von der Natur gemacht und folglich einfach nur zu akzeptieren. Offensichtlich sind die Tränen und das „Weinen“ der Vögel für die Menschen dort nicht mit negativen Emotionen besetzt.

Ich glaube, uns Menschen kommen die Tränen nie ohne Grund. Wir weinen auch nicht nur dann, wenn wir traurig sind. Manchmal weinen wir einfach so und es fließen uns die Tränen, auch wenn wir den Grund dafür nicht verstehen. Ich vermute, mit dem „Weinen“ in der Vogelwelt ist es genauso. Wenn ich könnte, würde ich die Sprache der Vögel dekodieren, gerne würde ich sie besser lesen können. Aber – vielleicht ist es auch besser so, dass mir die Sprache der Vögel unverständlich bleibt! ;-)

So wende ich meinen Blick zurück zum Menschen. Was sind denn unsere Tränen eigentlich?

„Tränen sind eine Flüssigkeit, die durch die Tränendrüse abgesondert wird, um die Augen zu schützen und sie zu säubern. Alle Säugetiere können auf diese Weise Tränen absondern. Menschen können Tränen auch bei Änderung ihrer Emotionen (Wut, Trauer, Schmerz, ...) absondern. .... Tränen und Weinen werden in der Literatur häufig synonym verwendet. ... “

So lauten ein paar der uns bekannten Definitionen über „Tränen“.
Doch ich möchte die wahre Bedeutung der Tränen lesen können!
Vielleicht etwas schräg, aber ich stehe zu meinem Eigensinn. Ich möchte dieser Frage nachgehen.
Ich will den Code der Tränen knacken.

Womöglich würde es keine Tränen geben, könnte man alle Emotionen mit Worten ausdrücken. – Jedoch ganz im Gegenteil: Es gibt Tränen und sie sind eine Art Sprache, und ich weiß, dass ich sie lesen lernen kann.

Hierfür kritzle ich rasch diese einfache Formel über Tränen hin:

Wasser + Salz + Emotion* = Tränen
* Schmerz, Wut, Freude, Trauer, Reue, Begeisterung, Sehnsucht ...

Die ersten Tränen fließen bei der Geburt, und dann jedes Mal, wenn eine ähnliche Emotion durchlebt wird, wie Schmerz, Wut, Freude, Trauer, Reue oder Sehnsucht. Es passiert reflexartig, zugleich auf eine ganz individuelle Art.

Je nach dem Ort, an dem man geboren wurde und aufwächst, gehen die Menschen mit Weinen und mit Tränen unterschiedlich um. Manche zeigen ihre Tränen und Weinen schon beim kleinsten Anlass. Andere unterdrücken ihre Tränen ihr Leben lang und vermeiden bis zu ihrem Tod zu weinen. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Es gibt Orte, an denen wird bei einer Beerdigung geweint und es fließen Tränen. Das gilt als anständig. Man nennt dieses Weinen auch „Heulen“.

Es gibt Orte, an denen wird zu viel Weinen bei einer Beerdigung als unangenehm empfunden.

Es gibt Orte, an denen Weinen und Tränen als Schwäche ausgelegt wird.

Es gibt Orte, an denen Weinen und Tränen als emphatisch und sympathisch gilt.

Es gibt Orte, an denen man laut schreiend weint.

Es gibt Orte, an denen man sehr leise weint.

Es gibt Orte, an denen Lachen, Weinen und Tränen zusammen kommen.

Es gibt Orte, an denen wird man gehänselt, wenn man weint und dann lacht.

Es gibt Orte, an denen man sagt, dass Vögel weinen.

Ach, es gibt noch einen Ort, an dem ich sehr gerne sein möchte: Es ist der Ort, an dem mir die Freudentränen kommen. Gelegentlich versetze ich mich kurz an diesen Ort. Und manchmal, wenn es Frühling wird, kommen mir diese Tränen ganz von alleine und ich bin sofort an diesem Ort.

Hörtipp an dieser Stelle: "Freudentränen"

Draußen blühen die Kirschbäume, mit rosa Blüten, so herrlich, als seien sie in den blauen Himmel gestickt. Ihr pinkfarbenes Leuchten trägt das Glück zu dem aufgeregten kleinen Mädchen mit dem klopfenden Herzen und zu der sich wie ein Kind bewegenden Frau, die früher ihre Haare hübsch toupiert hat, und ihr Lächeln blüht auf, als ob sie jemand Vermisstes wieder zurückkehren sieht.

... Es ist nach dem Krieg. Unglücklicherweise herrscht eine Militärdiktatur. Der einzige Sohn sitzt im Gefängnis, weil er sich der Diktatur nicht beugen mochte. Im Garten wartet die hübsche Frau auf ihren irgendwann zurückkehrenden Sohn. Sie blickt auf die verblühten rosa Kirschblüten – für sie ein Zeichen, dass ihr Sohn bald wiederkommen wird. „Es blüht – er wird kommen“. Heimlich wischt sie sich die Tränen aus dem Gesicht. Gerade hat sie den Garten gefegt und steht nun da, ihren Besen umarmend, als wäre es ihr Sohn.
Nur ein paar Tage später erreicht sie die Nachricht, dass der Sohn tatsächlich freigelassen werden soll und nach Hause kommt!
Jubelnd und laut schreiend rennt das Mädchen durch den Garten. Der bunt gefleckte Hund des Mädchens folgt ihr – bellend. – SRR, SRR mit kräftigem Geräusch kehrt die hübsche Frau mit dem Besen den Garten.
Alle Klänge vermischen sich und die Szene verschwindet langsam.

So war genau der Ort, an dem ich meine ersten Freudentränen weinte ...
Ich erinnere mich genau, an das rosafarbene Licht und den Himmel, der noch blauer war als sonst.
An den Ort unter dem Kirschbaum, wo es so wunderschön war, dass mir die Tränen kamen.
So glücklich und voller Hoffnung, dass ich es nur schwer beschreiben kann ...

Und währenddessen schallt es aus dem Kirschbaum.
Eine Amsel versucht ein paar Tauben zu vertreiben und sendet ihre warnende TIP-TIP!, PIP-PIP!-Botschaft.
Übersetzt bedeutet das: „Das ist mein Haus, geht bitte weg, sucht euch euren eigenen Baum!“

Es klingt gleichwohl wie eine hübsche Melodie – wunderschön.
Jetzt bin ich an dem Ort, an dem die Vögel singen, unter einem Kirschbaum an dem mir die Tränen kommen.

Hörtipp zum Schluss des Kapitels: "Tiefblauer Himmel"

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