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Der Traum der Säugetiere

Die Stille auf dem Teller

Die Stille auf dem Teller 6/8

Tiere sind uns Menschen ähnlicher, als wir vermuten.
Sie fühlen, sie denken, sie lieben.

© Suug & Seha Yeo

Der Traum der Säugetiere

Hörtipp zu diesem Kapitel: Track 11 – Der Traum der Säugetiere

Auch wenn wir Menschen mit Kuhmilch großgezogen werden, muhen wir nicht. – Oder doch?
Denn hier ist der muhende Geist einer Kuh ... im Körper einer Frau. Sie sieht aus wie ein Mensch ... aber sie muht:
„MUHH!“
Oje, schon wieder eine Mutterkuh, die nach ihrem Kalb ruft.

Diese kürzlich verstorbene Kuh hat ihr Leben lang Milch für den Menschen gegeben. Also wäre sie selbst mehr Mensch als Kuh. Und mit einem Mal ist sie unversehens im Körper dieser hübschen Frau mit den großen Augen gelandet! Bedauerlicherweise stirbt auch diese Frau kurz darauf und so wandert der Geist der Kuh im Körper der Frau noch eine weitere zeitlang durch die Welt.
Die Kuh weiß gar nicht, was ihr passiert ist... Sie ist sich nur gewiss: Bevor sie ihr Kalb nicht gefunden hat, kann sie diese Welt nicht verlassen, auch nicht als Geist im Körper dieser Frau.

So irrt sie als Geist im Körper dieser hübschen Frau mit den großen Augen durch alle Kuhställe, von einem zum anderen. –
Und so steht sie jetzt da.
„MUHH, MUHH!“
So sucht sie ihr Baby. Ihr Kalb, dass nicht ein Mal von der Milch ihrer Mutter saugen durfte.
Und so geht die Geschichte weiter, der Wunsch des Geists der Kuh im Körper der hübschen Frau, der Kuh, die nur ein einziges Mal ihr Kalb hat sehen können.
Und das ist der Grund, warum der Geist der hübschen Frau mit den großen Augen muht – wie eine Kuh.

Diese Kuh ... Nein. Dieser Geist mit dem Körper der hübschen Frau ... Jedesmal wenn sie in einem Kuhlstall nach ihrem Kalb sucht und muht, betrachten sie die anderen Kühe misstrauisch, mit rollenden Augen gar.
Diese Kühe sind voller Zorn auf die Menschen, die ihnen ihre Kälber weggenommen haben.
So können sie auch diesem Geist der Kuh im Körper der Frau nicht verzeihen, auch wenn ihr muhen wie das einer echten Kuh klingt.
„Verschwinde!“ Kühl und abweisend schwenken Sie ihren Kopf hin und her.

Der Geist der Kuh im Körper der hüschen Frau mit den großen Augen ist verzweifelt.
„Ich war doch auch eine Kuh, MUH!“
Doch die Kühe drängen weiter: „Verschwinde!“
„Ach! Ich sollte einfach irgendwohin,
ab ins Jenseits verschwinden, MUH!“

Auf einmal ruft es aus irgendeiner Ecke:
„MUH!“
Der Geist der Kuh im Körper der hübschen Frau mit den großen Augen fühlt sich seltsam angesprochen.
„Mama ... bist du Mama?
Wie siehst du bloß aus ... bist du’s?
Warum kommst du jetzt erst? ...
Wo warst du?
MUH!“
Ungestüm nähern sich beide.
Der Geist der Kuh im Körper der hübschen Frau mit den größen Augen gibt ihrem Kalb die Brust.
Überschwänglich saugt ihr Kalb die Muttermilch.

„Mama! MUH! Aah! Du bist meine Mama, MUH!“
„Mein Kindchen, MUH!“
„Trink ruhig weiter, trinke genug, wachse gut.“

Eine Weile später.
„Du gehst schon wieder? MUH!“
„Ja, nun muss ich wirklich los ... MUH!“
„Wohin? MUH!“
„Ich weiß es nicht. Aber ich werde immerzu an dich denken und bitte vergiss mich nicht. MUH!“
„MUH! MUH! MUH! MUH!“

Auf einmal verwandelt sich Geist der Kuh im Körper der Frau zu einer Kuh und verschwindet langsam.
MUH! ...

Das junge Kalb, das noch die Liebe der Mutter im Mund spürt und diese bewahren möchte, beginnt langsam mit dem Mund zu malmen, die ganze lange Nacht lang ...
Und irgendwann, hinter den geschlossenen Augen, spürt das Kalb den sanften Atem der Mutterkuh, der warm seine Wangen streichelt.




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