2. Expansion

The Code of Color

Ausdehnung

Auf dem Weg zum Grün – Welches Universum träumst Du?

Vor Millionen von Jahren,
oder vielleicht sogar vor noch mehr Jahren
bewegt sich eine Raupe knackend und knuspernd fressend
langsam von Blatt zu Blatt vorwärts.
Eines Tages entdeckt sie verlockende Blätter
gegenüber, auf einem anderen Baum
und sie riecht, dass es jenseits dieser Blätter
sogar noch mehr Bäume und auch Wiesen gibt.
Da flüstert sie es wie einen Zauberspruch vor sich hin:

"Vor Millionen von Jahren,
oder vielleicht sogar vor noch mehr Jahren
bewegt sich eine Raupe knackend und knuspernd fressend
langsam von Blatt zu Blatt vorwärts."
"The Code of Color" von Suug

"Ich brauche Flügel!
Flügel, die mich an den Düften entlang zu diesen Wiesen und Blumen tragen!"

Dann ist sie plötzlich hungrig
und kaut sich knuspernd und knackend zügig vorwärts,
schluckt knuspernd und knackend
mit zuckenden Bewegungen und in gleichmäßigem Tempo
all die saftigen Blätter auf ihrem Weg hinunter.
Ihr ganzer Körper ist mit Grün aufgetankt –
das war ein echter Gewaltmarsch.
Nun eine kleine Pause.
Stille... sie denkt nach:
"Ich muss neu geboren werden.
Als Raupe kann ich nicht da hinkommen, wo ich hin will.
Ich will wiedergeboren werden als ein geflügeltes Wesen!"

So denkt sie weiter
und schluckt die grünen Blätter noch eifriger und entschlossener hinunter.

Eines Tages, bevor sie stirbt, hinterlässt sie ein paar Pünktchen.
In diesen Pünktchen lebt ihr Wunsch weiter,
und irgendwann werden aus diesen Pünktchen wieder Raupen
und die hinterlassen wieder Pünktchen... wie ein Loop,
aber darunter passiert etwas Neues.
Und sie pflanzt nicht nur ein Pünktchen,
sie pflanzt viele Pünktchen,
sie pflanzt ein Universum.
Das wiederholt sich immer wieder,
und, tausend Male sterbend,
wird die Raupe eines Tages fliegen.
Hinaus auf die Felder,
nein, noch weiter,
bis zu den fernen Wäldern,
und sogar über den Horizont, da wo die Sonne schläft, hinaus...

Also weiter Grün tanken!

In meinem Kopf rattert ein Film, sehr schnell,
wie ein Stummfilm in doppelter Geschwindigkeit.
Es erscheint die Zeit vor 56 Millionen Jahren.
Ein Ei wird zur Raupe – leise Vibrationen trrrr,
dann wieder: ein Ei wird zur Raupe drrr, trrr, drrr....
Die grünen Blätter entfalten sich,
dann sind sie gefressen, verschwunden,
wachsen wieder, entfalten sich wieder...
und dann wird wieder ein Ei zur Raupe drrr, trrr, drrr...
Dieser Ablauf wird immer schneller, stapelt sich quasi.
Die Schleife wird immer voller,
bedeckt den Bildschirm allmählich ganz weiß.
Ab und zu taucht noch mal das Bild der zitternden, durchlöcherten Blätter auf,
wie ein zufälliges Blitzlicht.
Schließlich wird das Weiß vollkommen
und dann wird es schwarz –
„Cut!“ – fade out

Schon in dem ca. 56 Millionen Jahre alten Schmetterlingsfossil
war dieser Raupentraum wahr geworden.
Ich stelle mir vor, wie die Schmetterlinge zu der Zeit
miteinander in der Wiese tanzten und so ein Gespräch hatten:
"Bist Du von jenem Universum?
Welches Universum träumst Du?
Welches Universum möchtest Du gebären?..."

Ich bin so neugierig, ich möchte gerne lauschen.

Der kräftig fortschreitende Marsch der Raupen
erinnert an die Vibrationen der wunderbaren Codierung in den kleinen Punkten.
Unter diesen Schallschwingungen eilt der Film weiter,
um den endlosen Kreislauf fortzusetzen.